Landvolk unterstützt Überlebenspaket und fordert Stopp weiterer nationaler Alleingänge beim Tierwohl
Niedersachsens Schweinehaltung steht vor einer akuten wirtschaftlichen Zerreißprobe. Trotz des aktuellen Anstiegs des Schweinepreises um zehn Cent je Kilogramm Schlachtgewicht auf 1,60 Euro, bleibt die Lage vieler Betriebe dramatisch. Denn die erhoffte Belebung der Nachfrage nach deutschem Schweinefleisch bleibt aus – der klassische Schweinezyklus funktioniert nicht mehr. „Angebot und Nachfrage können sich am deutschen Markt nicht länger verlässlich ausgleichen, weil internationale Krisen und verschobene Handelsströme den Markt massiv beeinflussen“, erklärt Jörn Ehlers, Vize-Präsident und Vorsitzender des Ausschusses Veredlung im Landvolk Niedersachsen, die Ursache gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.
„Wir haben es längst nicht mehr mit einem normalen Auf und Ab des Schweinezyklus zu tun“, sagt Jörn Ehlers. „Wenn andere Länder, wie Spanien oder Dänemark, ihre außereuropäischen Exportmärkte verlieren, wird deren Ware plötzlich zu unserem Problem. Gleichzeitig bleibt eine höhere Nachfrage nach deutschem Schweinefleisch trotz günstiger Preise aus. Das ist für unsere Betriebe nicht mehr kalkulierbar.“
Die Entwicklung trifft Niedersachsen hart, die Zahl der Schweinehalter schrumpft in unvermindert rasantem Tempo: So sank die Zahl der schweinehaltenden Betriebe gemäß dem Ergebnis der letzten Viehzählung vom Mai 2026 binnen eines Jahres um deutliche 7,5 Prozent auf nur noch 3.420. Seit 2016 hat sich die Zahl der schweinehaltenden Betriebe mit einem Minus von 45 Prozent fast halbiert. Ähnlich dramatisch ist der Rückgang im Sauenbereich, wo die Zahl sogar um mehr als acht Prozent auf 1.100 zurückging – gegenüber 2016 bedeutet das mittlerweile ein Minus von über 47 Prozent.
Das Landvolk unterstützt daher die Forderung des Deutschen Bauernverbandes für ein Überlebenspaket für die Schweinehaltung. Dazu gehören kurzfristige Liquiditätshilfen, die vollständige und frühzeitige Auszahlung der GAP-Direktzahlungen, bessere Möglichkeiten zur Risikoabsicherung sowie die Öffnung weiterer Exportmärkte.
Für Ehlers ist klar: „Wir brauchen jetzt Maßnahmen, die unsere Betriebe durch diese außergewöhnliche Marktkrise bringen. Dazu gehören auch die konsequente Umsetzung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes (THKG) und eine lückenlose Herkunftskennzeichnung wie das der Zentralen Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL). Nur wenn für Verbraucher erkennbar ist, woher das Fleisch kommt und unter welchen Bedingungen es erzeugt wurde, kann heimische Produktion im Wettbewerb bestehen.“
Gleichzeitig müsse die Politik jede weitere Verschärfung nationaler Tierwohlvorgaben stoppen. „Wir haben in Deutschland bereits sehr hohe Standards. Noch höhere Anforderungen können sich unsere Betriebe, gerade unsere Sauenhalter, wo teure Umbaumaßnahmen anstehen und laut Gesetz umgesetzt werden müssen, bei diesen Marktbedingungen ohne Förderung nicht leisten“, warnt Enno Garbade, Vorsitzender des Arbeitskreises Sauenhaltung im Landesbauernverband. Weitere nationale Sonderwege drohen die heimische Produktion weiter zu verteuern und damit Importe mit niedrigeren Standards zu begünstigen.
Martin Roberg, Mitglied des Arbeitskreises Sauenhaltung und Ausschuss-Vorsitzender Bildung im Landvolk, sieht die junge Generation gefährdet: „Junge Landwirte wollen investieren und ihren Tieren mehr Tierwohl ermöglichen. Aber sie dürfen nicht in eine wirtschaftliche Falle laufen. Solche Investitionen sind derzeit nur mit festen Abnahmeverträgen verantwortbar – der freie Markt gibt die notwendige Sicherheit nicht her.“
„Selbst der Preisanstieg um zehn Cent löst das Grundproblem nicht“, betont Ehlers. „Die Politik muss jetzt handeln, bevor aus einer Marktkrise ein dauerhafter Verlust unserer heimischen Schweinehaltung wird.“


