Baumschule und Molkerei im Ammerland -Lehrfahrt der Landsenioren Rotenburg-Verden-

2012-11-23 06:53 von bu2chstelle57321 (Kommentare: 0)

Die Landsenioren im Landvolkverband Rotenburg-Verden E:v: machen jedes Jahr im Herbst eine landwirtschaftliche Lehrfahrt. Dabei stehen immer Besichtigungen interessanter landwirtschaftlicher Objekte auf dem Programm und das „leibliche Wohl“ gehört auch dazu.

In diesem Herbst wurden die Molkerei Ammerland in Dringenburg und die Baumschule Bruns im Raum Gristede besichtigt. Die Mittagspause fand in Rabe`s Gasthaus in Wiefelstede, die Kaffeetafel im Fährkroog in Dreibergen direkt am Zwischenahner Meer statt. Aufgrund der großen Nachfrage gab es in diesem Jahr erstmals 3 Reisetermine. Die Organisation und Reiseleitung hatte wie in jedem Jahr wieder der ehemalige Wirtschaftsberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Helmut Behn, übernommen. Die Vorsitzenden des Landvolkverbandes Rotenburg-Verden, Gerhard Eimer, Drögenbostel, und Jörn Ehlers, Holtum-Geest, nahmen an den Fahrten teil und begrüßten die Teilnehmer sowie die Initiativen des Reiseleiters.

Während der Lehrfahrt informierte der Reiseleiter die Reisegruppen (mit durchschnittlich 43 Teilnehmern(innen), über aktuelle, allgemeine und landwirtschaftliche Daten des Landkreises Ammerland. Dabei wies er auf die Gemeinsamkeiten (Bodenverhältnisse) und die Unterschiede (höherer Grünlandanteil mit stärkerer Milchviehhaltung) zur hiesigen Region hin. Eine Besonderheit des Ammerlandes sind ca. 300 Baumschulbetriebe mit ca. 3.000 ha Baumschulfläche.

Vormittags wurde die Molkerei Ammerland besichtigt. Bei einem Imbiss mit den verschiedenen Milch- und Käsesorten der Molkerei informierten der Geschäftsführer Rolf Hinrichs und sein Vorgänger Horst Hartendorff sowie sein Mitarbeiter Ahlert Wetjen die Besuchergruppen über die wichtigsten Daten der Genossenschaft. Sie ist ein Zusammenschluss von mehreren ehemals selbständigen Molkereien im „Oldenburger- und friesischen Land“ und gehört inzwischen zu den 5 größten Molkereien in Deutschland. Die Zahl der Mitglieder und Milchlieferanten (ca. 2000), die zu verarbeitende Milchmenge (ca. 1,2 Mrd. kg/Jahr = ca. 618.000 kg/Lieferant) und der Jahresumsatz von ca.584 Mill Euro machen dieses deutlich.

Im Werk Oldenburg werden Frischprodukte (40 % der Produktion) in der neu erbauten Molkerei Dringenburg, Schnittkäse (38 % d.P.), Molkerpulver (10 % d.P., Butter (9 % d.P) sowie Vollmilch- und Sahnepulver (3 % d.P.) produziert.

Die Produkte werden in Deutschland an den Lebensmitteleinzelhandel sowie die Discounter und an die Großverbraucher (Gastronomie) sowie Industrie (Aufschnitt-betriebe) verkauft. Der Export (über 40 % der gesamten Produktion geht überwiegend in EU-Länder. In zunehmendem Maße werden die Produkte in Drittländer (Russland) geliefert. Für den asiatischen Markt wurde inzwischen ein Büro in Singapur eingerichtet.

Die Molkerei hat incl. Fuhrpark (20 Fahrzeuge bei 2-tägiger Abholung), ca. 430 Mitarbeiter(innen), davon 32 Auszubildende) in 4 Berufen.

Während der anschließenden Diskussion wurden die aktuellen Probleme der Milcherzeuger und der Molkereien auf den Milchmärkten in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt erörtert. Zum Schluss führten die Gastgeber die Besucher über das neue großzügige Werksgelände. Dabei gaben sie ausführliche Erläuterungen zu den einzelnen Abteilungen wie Milchannahme mit Kontrollen, Butter- und Käseproduktion. Der Rundgang (z.T. auf Besuchergängen außerhalb der Produktion) zeigte deutlich die Spezialisierung, Technisierung und Automation (Roboter) der innovativen Molkerei.

Danach fuhren die Landsenioren nach Wiefelstede, wo in Rabe`s Gasthof ein vielseitiges und schmackhaftes Mittagsbüfett wartete.

Nach der ausgiebigen Mittagspause mit angeregten Gesprächen der Reiseteilnehmer(innen) begrüßte Hans-Herbert Ludewig, ehemaliger Mitarbeiter der Baumschule Bruns, die Gruppe und fuhr mit ihnen zu den verschiedenen Standorten der Firma. Während der Fahrt informierte der Fachmann die Reiseteilnehmer(innen) über die Geschichte und Struktur des Unternehmens. Die Baumschule wurde mit einem kleinen Sortiment 1876 vom Gärtner Diedrich-Gerhard Bruns gegründet und wird heute in der 5. Generation bewirtschaftet. Der Betrieb wurde kontinuierlich zu einer der führenden Exportbaumschulen Europas entwickelt. Es wird z.Zt. eine Baumschulfläche von über  500 ha mit mehr als 4.000 Pflanzenarten und -sorten bewirtschaftet. Im Unternehmen sind ca. 350 Mitarbeiter tätig.

Der Vertreter der Firma zeigte und erläuterte den Landsenioren die Logistikzentren für Bäume in Rostrup und Containerpflanzen in Gristede sowie den Betriebshof Ohrwege. Schwerpunkt der Baumschule ist die Kultivierung (durch ständiges Umpflanzen wird eine hohe Anwachsgarantie gewährt) von kleinen, aber überwiegend großen Bäumen aller Art. So kommen die Bäume im Olympiapark in London von der Firma Bruns. Produziert werden auch besondere Bäume (Bonsai, Spalierholz und Firmenembleme).

Der Experte zeigt den Besuchern außerdem die schon großen Kiefern, die auf den Transport zum noch nicht fertigen Flughafen in Berlin warten. Ein großer Teil der Produktion geht in den Export, d.h. in die EU, aber auch in die Drittländer (u.a. verstärkt nach Russland).

Höhepunkt des Besuches war ein schöner Spaziergang durch den 20 ha großen Rhododendron-Park in Gristede. Unter dem Schutz hoher Kiefern präsentieren sich hier mehr als 1.000 Sorten Rhododendron und Freiland-Azaleen. Im Park befindet sich auch eine herrliche Teichanlage und man sieht u.a. chinesische Mammutbäume, japanischen Ahorn-, Hartriegel-, Zaubernuss-, Magnolienarten und -sorten sowie eine Vielzahl weiterer Solitärgehölze. Während des Spazierganges gab der ehemalige Mitarbeiter den Landsenioren wertvolle, praktische Tipps zum Umgang mit Bäumen, Sträuchern und vor allem aber mit Rhododendron.

Das Programm der interessanten Lehrfahrt endete mit einer gemütlichen Kaffeetafel mit leckerem Kuchen im Fährkroog, einer schönen Ammerländer Gaststätte in Dreibergen, direkt am Zwischenahner Meer.

Während der Rückfahrt nach Verden und Rotenburg kommentierte der Reiseleiter das Gesehene und Gehörte mit fachlichen, aber auch humorvollen Anmerkungen.

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Ein Bericht von Helmut Behn

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